Bitter CD 342

. . . einfach kann Jeder

Vorgeschichte


 

Seit unserer frühen Jugend sind mein Bruder und ich den Autos der 60er bis 80er Jahre besonders verbunden. Vielleicht ist es Nostalgie und Sehnsucht nach einer Erinnerung an die „gute alte Zeit“ – vielleicht die überschaubare und meistens selbst zu reparierende Technik dieser Fahrzeuge – vielleicht ihre einzigartigen Details oder aber auch der Vater, der in unseren jungen Jahren in kurzen Intervallen mit immer wieder neuen Autos unsere Leidenschaft angefacht hat.

Wie dem auch sei – es hat uns Beide gepackt und nachdem wir zunächst für uns selbst immer wieder Fahrzeuge aus dieser Epoche unser eigen nennen durften kam die Idee, sich ein solches Fahrzeug zu teilen und gemeinsam zu nutzen. Es sollte robust und alltagstauglich, gleichzeitig aber interessant und reizvoll sein, was nicht immer leicht zu vereinbaren ist. So landete dann nach längerer Suche ein hellblau-metallicfarbener Volvo P 1800E in unseren Händen. Eine solide Karosserie, gepaart mit vermeintlich standfester Technik.  Die Erlebnisse mit diesem Auto könnten ein ganzes Buch füllen. Leider war uns die so bekannte Standfestigkeit nicht vergönnt. Vermutlich lag es an einem Fehler im Computer der Einspritzlage. Mercedes und VW hatten sich von dieser Stufe der Technik aufgrund vieler Probleme schnell wieder getrennt - und das wohl auch aus gutem Grund. Nach 5 Jahren und 3 kapitalen Motorschäden haben wir uns dann frustriert wieder von dem sonst sehr schönen Wagen getrennt.

 

 

 

Vorgeschichte

 

Seit unserer frühen Jugend sind mein Bruder und ich den Autos der 60er bis 80er Jahre besonders verbunden. Vielleicht ist es Nostalgie und Sehnsucht nach einer Erinnerung an die „gute alte Zeit“ – vielleicht die überschaubare und meistens selbst zu reparierende Technik dieser Fahrzeuge – vielleicht ihre einzigartigen Details oder aber auch der Vater, der in unseren jungen Jahren in kurzen Intervallen mit immer wieder neuen Autos unsere Leidenschaft angefacht hat.

 

Wie dem auch sei – es hat uns Beide gepackt und nachdem wir zunächst für uns selbst immer wieder Fahrzeuge aus dieser Epoche unser eigen nennen durften kam die Idee, sich ein solches Fahrzeug zu teilen und gemeinsam zu nutzen. Es sollte robust und alltagstauglich, gleichzeitig aber interessant und reizvoll sein, was nicht immer leicht zu vereinbaren ist. So landete dann nach längerer Suche ein hellblau-metallicfarbener Volvo P 1800E in unseren Händen. Eine solide Karosserie, gepaart mit vermeintlich standfester Technik.  Die Erlebnisse mit diesem Auto könnten ein ganzes Buch füllen. Leider war uns die so bekannte Standfestigkeit nicht vergönnt. Vermutlich lag es an einem Fehler im Computer der Einspritzlage. Mercedes und VW hatten sich von dieser Stufe der Technik aufgrund vieler Probleme schnell wieder getrennt - und das wohl auch aus gutem Grund. Nach 5 Jahren und 3 kapitalen Motorschäden haben wir uns dann frustriert wieder von dem sonst sehr schönen Wagen getrennt.          

                                                                                                                

Nächstes Mal sollte es besser werden, aber was für ein Fahrzeug kommt überhaupt in Frage? Amazone (dann mit Vergaser), Pagode, 928er?
 

 

Bitter CD

 

Ein Anruf meines Bruders und es war vorbei mit der Ruhe: „Ich habe gestern einen Maserati Ghibli und einen Bitter CD nebeneinander stehen sehen. Die beiden haben die identischen, idealen Sportwagen-Proportionen. Nur: Für den Preis eines Handschuhfachdeckels vom Maserati bekommen wir beim Bitter bestimmt schon einen neuen Auspuff.“

 

Nachdem das Thema Bitter CD erst mal angestoßen war folgte nach einiger Zeit der nächste Anruf: „Ich habe einen wirklich schönen Bitter CD entdeckt. Er steht in der Schweiz!“
Erst einmal nachdenken – das Auto ist nur aus dem Quartett und der AutoMotorSport bekannt, es kommt irgendwo aus Westfalen. Erich Bitter hat ihn gebaut und es gab nicht sehr viele davon. Eine Grundvoraussetzung aber schien schon mal erfüllt: Erich Bitter war für seine sehr hohen Qualitätsansprüche bekannt und unter dem schönen Kleid steckt ja auch viel solide Opel-Technik, verfeinert beim Kleinserien-Hersteller Baur in Stuttgart.

 

Trotzdem: Das Auto ist doch vielleicht ein bisschen zu groß für uns. Acht Zylinder wollen unterhalten werden, Ersatzteile sind bestimmt selten und teuer sofern überhaupt noch erhältlich. Außerdem ist es ein Auto, das durch sein außergewöhnliches Design und die Seltenheit der Marke Bitter beim Parken, Tanken und auch beim Fahren viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Wir wollten aber kein Show-Car - Spaß an Form und Technik standen für uns immer im Vordergrund.

 

Nach einer längeren Recherche, der überaus engagierten und immer freundlichen Beratung und Unterstützung durch Martin Wilhelm und Freddy Lysson vom Bitter-Club sowie der Besichtigung weiterer Bitter CD in Deutschland stand der Entschluss fest: Wir stürzen uns in dieses Wagnis. Die Technik ist beherrschbar, die Linienführung klassisch und der Wagen ist ein zeitgenössisches, exklusives Premiummodell, das seinerzeit preislich über allen Porsche und Mercedes-Modellen lag. Dass Ireen Sheer, Udo Lattek, Paul Breitner und Gold-Rosi Mittermaier auch einen besaßen, ließ uns eher schmunzeln.  Schließlich war alles abgewogen, der Kauf wurde eingeleitet.  

 

In den folgenden Monaten der ersten Einführungskilometer wurde dabei immer mal wieder unsere Leidenschaft und unser Einsatzwillen herausgefordert, aber man wächst ja bekanntlich an seinen Aufgaben und ohne eine größere Frustrationstoleranz sollte man sowieso die Finger von alten Sachen lassen. Aber fangen wir am Anfang an:

 

Kauf und Überführung aus der Schweiz

 

Schon die Überführung von Bitter CD 342 aus der Schweiz könnte dem Agentengenre entliehen sein: Da das Auto eine Schweizer Zulassung hatte, durften wir es in der Schweiz nur mit einem extrem teuren Überführungskennzeichen fahren, so dass wir uns für eine Übergabe an der Grenze entschieden. Also wurde vereinbart, das Fahrzeug an einem trockenen Tag (bei Regen wurde das Auto vom Vorbesitzer nicht bewegt) nach Deutschland zu überführen. Nachdem der Landweg zum EU-Eintritt in Österreich und damit zur dortigen Verzollung mit einem höheren MWSt-Satz geführt hätte, haben wir uns für die direkte Verbindung entschieden: die Bodensee-Autofähre nach Friedrichshafen, um dann in Deutschland mit deutschem Überführungskennzeichen zu fahren. Nach zweimaliger Verschiebung wegen schlechtem Wetter hat dann mit der Fähre über den Bodensee doch noch alles gut geklappt.

 

Die Verträge wurden noch auf Schweizer Boden in der nächst gelegenen Gaststätte am Stammtisch unterzeichnet, Schlüssel, Geldkoffer und Papiere ausgetauscht. Dann ging es gemeinsam zur Fähre. Der Erstbesitzer, ein wohlhabender Kunsthändler aus Luzern, strich noch einmal mit seinem Pelzmantel (es war ein wunderbarer, sonniger Tag im Januar) über das Dach, während ich ihm seine Kennzeichen als Andenken überreichte. Auch seine Frau verabschiedete sich von dem Fahrzeug nach 26 Jahren wehmütig und ein stolzer Neubesitzer verlässt den neutralen Boden und rollt brabbelnd auf die Fähre. Ein atemberaubender Blick auf die verschneiten Alpen, der in der Wintersonne glitzernde Bodensee und ein derzeit staatenloser, champagnerfarbener CD als einziger Gast auf der Fähre. So etwas kann man noch nicht mal erfinden.

 

Die Ernüchterung folgte dann beim deutschen Zoll. Alle Papiere waren vorbereitet, der Zoll entrichtet, aber es sollte dann doch noch 6 Stunden dauern, bis der deutsche Zoll mit den vorliegenden Unterlagen zufrieden war. Der Erstbesitzer hatte uns nur seinen originalen Bestellschein für das Auto und die sehr knapp gehaltene Schweizer Zulassungsbestätigung mitgegeben. Das reichte dem deutschen Zöllner aber so nicht. Weitere Papiere, das ergab eine spätere Recherche, existierten auch gar nicht, da das Auto offensichtlich nur zum Teil in Bar und zum anderen Teil mittels Bildern (Kunst) bezahlt wurde. Nach langen und zähen Verhandlungen durfte er (Bitter CD 342) dann doch noch mitkommen und wurde stolz in der Abenddämmerung nach München kutschiert. Hier erlebte er bei meinem Bruder vielleicht erstmalig in seinem Leben so etwas wie einen Alltagsbetrieb, denn beim Vorbesitzer war er zuletzt als Drittfahrzeug nur entsprechend selten benutzt worden.

 

Erste Arbeiten

 

Bereits in den ersten Tagen stellte sich heraus, dass es trotz anders lautender Versicherungen des Vorbesitzers doch noch einige Aufgaben gab, bevor er bereit war, problemlos und zuverlässig seine Besitzer zu erfreuen. Auspuff, Radlager, Bremsen, Zündschloss, ein wenig Elektrik, und noch so einige Kleinigkeiten hielten uns auf Trab. Aber alleine der Sound der acht Zylinder beim morgendlichen Starten, aus der Garage rollen und säuselndem Verlassen eines akustisch ideal gebauten Münchner Innenhofes entschädigten für Vieles. Meine Nachbarn im Stadtteil Au haben sich nie beschwert, wahrscheinlich vermissen sie den Bitter inzwischen, wenn der Nachmieter seinen Hyundai einparkt.

Auch zeigte sich, dass sich trotz großer Schonung und ständigem Garagenplatz doch schon an den ersten Stellen kleine Rostansätze bildeten. Was also tun? Nach längerem Abwägen kam dann doch nur eine vollständige Überarbeitung in Frage. Das Auto sollte als "Kulturgut" nicht verhunzt, sondern in möglichst gutem und originalem Zustand erhalten bleiben. Es war zu diesem Zeitpunkt aber schon klar, dass das nicht so aus dem Ärmel zu leisten war.

 

 

Restaurierung

 

Nach einiger Recherche und diversen Besichtigungen und Kostenvoranschlägen in den unterschiedlichsten Werkstätten und Fachbetrieben war der richtige Restaurierungsbetrieb gefunden und ein Termin (in 1 Jahr) vereinbart. Die Werkstatt und auch ihr Besitzer machten einen sehr guten und seriösen Eindruck und die Arbeit, die ich dort betrachten konnte war hochwertig. So machte es mir dann auch nichts aus, dass meine Freunde mich aufzogen und sagten: „Jetzt bringst du ihnen dein Auto schon..“. Ja, man kann es erraten: Die Werkstatt liegt in Polen. Ich hatte aber keine Sorge, und für den Fall, dass meine Menschenkenntnis und die Fachkenntnis meines Beraters nicht ausgereicht haben sollten, wurde noch schnell eine Restaurierungsversicherung abgeschlossen (auch das ging für Polen damals erst nach längeren Verhandlungen mit der Versicherung). Also wurde er im Herbst noch auf eigener Achse in den Restaurationsbetrieb gefahren, damit dort alle Karosserie- und Innenraumarbeiten durchgeführt werden konnten. Es gehörte schon ein wenig Überwindung dazu, ihn so alleine dort zurück zu lassen.

 

Gleichzeitig wurde der Motor zur vollständigen Überholung zu einem Spezialisten in der Nähe von München gebracht, der in seiner Kundschaft mehrere Diplomat und einen Bitter CD hat und das Auto nun schon seit mehreren Jahren kannte. Auch für das unglaublich aufwändige Schwanenhalsradio von Blaupunkt mit Aufnahmemöglichkeit und Diktierfunktion während der Fahrt wurde schließlich ein Fachmann gefunden, der in den 80ern noch auf diesem Gerät gelernt hatte.

 

Während der Restaurierung hieß es dann erst einmal warten (und sparen). Nach einigen Monaten wurde die erste Rate nach Polen gebracht und Bitter CD 342 präsentierte sich vollkommen zerlegt, alle Teile sorgfältig gelagert und beschriftet, fertig für die Restaurierung der Karosserie.

 

Kaum wieder zuhause dann das, was viele prophezeit haben: Ein Anruf aus Polen: „Sie müssen sofort kommen, am Rahmen besteht ein großes Problem. Ich kann nicht mehr weitermachen und brauche ihre Entscheidung!“ Wer denkt dabei nicht an unangenehme Nachverhandlungen. Jetzt sollte also der Preis doch noch im Nachhinein neu verhandelt werden!
Da ich beruflich zu dieser Zeit sehr stark eingebunden war, musste es dann auch gegen den ausdrücklichen Wunsch des Restaurierers telefonisch gehen. Die Kontrolle der Hohlräume mit einem Stethoskop hatte zutage gebracht, dass der Rahmen im Bereich der Hinterachse (wie bei fast jedem Diplomat/Bitter CD) im inneren Bereich Schaden genommen hatte und Ansätze von Rost zeigte. Es wurde eine Neuanfertigung abgesprochen und die Arbeiten konnten erst einmal weitergehen. Über Geld wurde komischerweise doch nicht gesprochen.

 

Beim nächsten Besuch wurde nun schon nicht ohne Stolz des Restaurierers die fertig bearbeitete Karosserie präsentiert. Immer noch „nackt“, aber mit ausgeführten Blecharbeiten, grundiert und versiegelt konnte man schon jetzt erkennen, dass meine Erwartungen wohl nicht enttäuscht werden würden. Alle Arbeiten waren sauber und nach aktuellem Standard ausgeführt worden. Die jeweiligen Arbeitsschritte waren gründlich und sorgfältig durchgeführt worden und meine verbleibenden Bedenken wurden immer kleiner.

 

Nach zwei weiteren Terminen kam dann der spannende Moment: Es war soweit: Der Wagen konnte abgeholt werden. Da der TÜV abgelaufen und eine Anmeldung für eine Fahrt durch Polen so nicht möglich war, wurde er mit einem Spediteur nach Bielefeld gebracht.

 

Begutachtung, erste Fotos und die Freude über die gute Arbeit begleiteten die folgenden Wochen. Die TÜV-Abnahme erfolgte durch einen DEKRA-Sachverständigen (Martin Heckendorf), der auf Oldtimer spezialisiert ist und auch das Oldtimer- und Wertgutachten erstellte. Es folgte eine intensive Prüfung der Fotos und Unterlagen inklusive der Bilddokumentation zur Restaurierung und die allerletzten Zweifel zur Qualität der Arbeiten lösten sich auf, als auch er dem Bitter einen sehr guten Zustand attestierte. Hier noch einmal mein ausdrücklicher Dank an den Restaurierer. Es wurde entgegen der Unkenrufe nicht teurer, sondern darüber hinaus wurden zusätzliche Arbeiten vorgenommen, die nicht einmal Bestandteil des Angebots waren.


Resümee 

 

Die Teilnahme am Bitter-Treffen 2009 – nun endlich wieder mit Auto – und die Wahl zum Bitter CD des Jahres ließen die Anstrengungen und Aufregungen mit dem Wagen in den Hintergrund treten. Nach einigen Ausfahrten und der Ausstellung auf dem Bitter-Stand bei der Techno-Classica in Essen wuchs das Vertrauen wieder und inzwischen ist er zum zuverlässigen Begleiter geworden. Das heißt nicht, dass es nicht immer mal wieder etwas zu verbessern gäbe, aber an der Alltagstauglichkeit bestehen keine Zweifel.

 

Wenn jetzt noch ein Satz originale Fußmatten in der für diesen Wagen passenden Farbzusammenstellung auftauchen würde, wäre das Glück – und das Auto - nahezu perfekt…

 

Und auch wenn Bitter CD 342 mich in diesen ersten Jahren immer mal wieder an in die Nähe meiner persönlichen Grenzen gebracht hat, will ich doch heute keinen Moment davon missen und jede noch so kleine Ausfahrt ist stets ausreichende Entschädigung für alle Mühen.

 

Reise Eins

Reise Zwei

Reise Drei

Reise Vier